20. Februar 2022

Nach nun 6 Wochen mit der Nikon Z9, möchte ich euch meine ersten Eindrücke schildern. Anzumerken ist dabei, dass die Z9 meine erste spiegellose Kamera ist und ich von der Nikon D5 komme. Daher bezieht sich viel auf diesen Vergleich und die sich daraus für mich ergebenen Vor- und Nachteile.


Haptik und Verarbeitung

Mir ganz persönlich liegt die Nikon Z9 besser in der Hand, ganz besonders mit dem Hochformatgriff. Generell bin ich ein Fan dieser großen und soliden Bodys. Die Verarbeitung ist wie gewohnt sehr hochwertig und der Body fühlt sich unglaublich solide an. Hier ist die Z9 auf D5-Niveau. Auch das nun vorhandene Klappdisplay, auf das ich später noch eingehe, macht einen sehr wertigen und vor allem stabilen Eindruck. Wenn es etwas zu bemängeln gibt, dann ist es die etwas fummelige Klappe für die Speicherkarten.

Und ein weiterer Punkt, den ich an der Z9 nicht ganz so mag, ist der Druckpunkt für den Auslöser. Dieser ist mir etwas zu feinfühlig, an der D5 war er etwas satter. Dies hat zur Folge, dass man schon einmal auslöst, obwohl man es noch gar nicht wollte.


Akku

Nein, an die Betriebsdauer einer D5 kommt die Z9 nicht dran. War auch nicht zu erwarten, dennoch bin ich mit der Akkuleistung sehr zufrieden. Einen ganzen Tag war ich auf Fotopirsch und habe dabei etwa 2800 Fotos gemacht, viel zu viele, davon mal ab. Abends hatte ich noch 29 % Restkapazität. Die Kamera war während des Tage sehr viel an und zwar mit beiden Displays. Ich denke, dass kann sich sehen lassen.


EVF

Der elektronische Sucher war etwas, wo ich Anfangs dachte, ok die Kröte muss du wohl schlucken. Doch was soll ich sagen, bereits nach dem ersten  Tag, wollte ich schon nicht mehr zurück. Die Vorteile des EVF überwiegen für mich persönlich einfach klar. Der Sucher der Z9 hat auf dem Papier nicht die höchste Auflösung, dafür die größte Helligkeit. Da ich bisher keinen direkten Vergleich habe, kann ich nicht beurteilen, ob der Wettbewerber hier tatsächlich einen deutlich sichtbaren Vorteil hat, oder nicht. Für mich ist er jedoch detailreich und scharf. Doch das beste Feature ist die verzögerungs- und blackout-freie Darstellung sowohl im Sucher, als auch auf dem Display der Nikon Z9. Dies macht ein Verfolgen der Motive deutlich leichter und erhöht so die Ausbeute. Man hat immer ein Live-Bild und das ist in der Praxis einfach Gold wert.

560 mm, f/4, 1/1000 sec, ISO 3600

Das Klappdisplay

Eine weitere Besonderheit, welche ich auf keinen Fall mehr missen möchte, ist das Klappdisplay. Wie schon geschrieben, wirkt der Klappmechanismus sehr solide und das Display ist dazu groß, scharf und hell. Hier gibt es absolut nichts zu bemängeln. Es ermöglicht einem bequem bodennahe Aufnahmen. Für mich ein absoluter Mehrwert, besonders da es auch im Hochformat ausklappbar ist.

100 % Ansicht, ISO 6400, f/2.8, 1/400 sec

Alternativ kann man auch seine Muskeln spielen lassen und das schwere Equipment über Kopf einsetzen. Nur das Jammern über die anschließenden Rückenschmerzen muss ich mir noch verkneifen. ;-)

Übrigens macht sich in diesem Szenario der Augen-AF sehr gut. Man braucht quasi "nur" noch einigermaßen auf den Bildaufbau achten.


ISO 2200, 1/800 sec, f/2.8, 400 mm

Autofokus

Kommen wir nun zum Autofokus. Das Hype-Thema schlecht hin. Was ist dran, an diesem Hype? Nun, ich kann ihn partiell absolut teilen. Die automatische Motiv-Erkennung kann einem das Fokussieren unglaublich vereinfachen, bzw. abnehmen. Wenn die Z9 das Motiv und Auge erkennt, dann sitzt der Fokus auch mit adaptierten F-Mount Objektiven unglaublich gut und zuverlässig. Menschen, Vögel, Hunde und ähnliches werden sehr gut erkannt. Doch genau hier kommt dann auch die große Einschränkung, man darf sich nicht blind auf die automatische Erkennung verlassen. Es gibt Situationen und Motive (Pferde, Hirsche, etc.), die werden vom Algorithmus einfach noch nicht richtig erkannt, wie die Nutria. Sobald ich also merke, dass die Motiverkennung Probleme hat, wechsele ich auf den altbekannte Einzefeld-AF. Dieser arbeitet sauber und zuverlässig. Einen Nachteil hat die Z9 noch, dieser soll mit einem zukünftigen Firmware-Update allerdings behoben werden. Ich kann nicht per Funktionstaste direkt zwischen einzelnen AF-Modi hin und her wechseln. Man kann zwar verschiedene AF-Modi auf die FN-Tasten legen, muss diese dann aber leider gedrückt halten. Eine Hold-Funktion wird daher nicht nur von Naturfotografen, sondern auch von Sportfotografen dringend erbeten. Im Vergleich zur D5 empfinde ich den AF in den allermeisten Situationen als schneller und treffsicherer. Das ist aber nun mein subjektiver Eindruck, weil es eben so viele kleine Verbesserungen sind, die einen positiven Effekt auf die Ausbeute haben.

Wo die Kreuzsensoren einer DSLR immer noch einen Vorteil haben, ist, wenn es sehr düster wird. Hier hat das Firmware-Update auf Version 1.11 jedoch schon eine erhebliche Verbesserung gebracht. Generell ist es heut zu Tage leider so, dass die Produkt final erst beim Kunden reifen, da ist auch die Nikon Z9 keine Ausnahme. Allerdings konnte ich bisher keine groben Schnitzer finden. Dazu hat Nikon bereits einige Verbesserungen mit den künftigen Updates angekündigt. So sollen auch die Gruppen-AF Funktionen der D6 wieder ihren Weg in die Z9 finden.

Bildqualität und High-ISO

Ich könnte es hier kurz machen, denn ich bin absolut zufrieden. Warum werde ich jetzt aber noch etwas ausholen? Dies liegt daran, dass sich weiter hartnäckig das Gerücht hält, mehr Megapixel bedeuten mehr Rauschen bei hohen ISO-Werten. Doch dies ist eben nicht der Fall. Viele machen nämlich den Fehler und schauen sich die Fotos bei 100% Ansicht an. Nur vergleicht man so Äpfel mit Birnen, da das Foto der höher auflösenden Kamera ja einen viel kleineren Bildausschnitt zeigt.  Man könnte auch sagen, man steht viel näher vor dem Foto. Betrachtet man die Fotos bei gleicher Ausgabengröße, dann haben Fotos aus höher auflösenden Kameras sogar eher einen Vorteil, da sie schlicht mehr Details darstellen können und dadurch schärfer wirken. Dies wiederum lässt mehr Möglichkeiten für die Nachbearbeitung.

Um es kurz zu machen, ich habe High-ISO Fotos der Z9 direkt mit denen meiner alten Nikon D5 verglichen. Bei gleicher Ausgabengröße ist es, wie oben beschrieben.

Wo die Nikon Z9 im Vergleich zur D5 gewaltig zugelegt hat, ist der Dynamikumfang bei niedrigen ISO-Werten. Da ich die Kamera auch für die Landschaftsfotografie einsetze, Punkt die Z9 hier neben der höheren Auflösung also gleich doppelt.

Fazit

Für mich ist es die Summe der Eigenschaften der Nikon Z9, die sie zum besseren Werkzeug macht, als es die D5 schon war. Daher in kurzen Punkt noch einmal die für mich wesentlichen Vorteile.

1. Lautlos! Das ist gerade bei Füchsen genial, aber auch in vielen anderen Fällen, wie dem Eichelhäher konnte ich schon davon profitieren.

2. Die große AF-Feldabdeckung ist einfach ein Traum. Ein Verschwenken wird dadurch nicht mehr nötig und das bei einem AF auf spitzem Niveau.

3. Der blackoutfreie EVF ist ein echter Mehrwert. 

4. 20 fps

5. Das neue AF-System ist stark. Ich werde deutlich häufiger verschiedene AF-Modi nutzen, als dies bei der D5 der Fall war. Selbst nach 6 Wochen bin ich hier aber definitiv noch nicht am Ende des Probierens und Auslotens der Grenzen.

6. Das Klappdisplay

7. Die für mich bessere Ergonomie. 

8. Das mehr an Auflösung und die höhere Dynamik bei niedrigen ISO-Werten.,

9. Laden per USB-C

10. Die Kombination IBIS und VR bei entsprechenden Z-Objektiven.

11. Die in einer ganz anderen Liga spielenden Videooptionen.

Ist die Z9 perfekt? Nein, natürlich nicht. So fehlt ihr immer noch die berühmte Motivklingel! ;-)

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