4 Tage unter Moschusochsen - Naturfotografie Rosengarten
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30. Juli 2014

Im Juni waren wir für 3 Wochen in Norwegen unterwegs und ein Highlight war unser 4 tägiger Trip ins Dovrefjell. Ziel war es neben dem Erlebnis Natur, natürlich auch die beeindruckenden Moschusochsen zu fotografieren. An einem herrlichen, sonnigen Tag brachen wir morgens von Kongsvoll auf ins Dovrefjell. Schwer beladen ging es durch den Birkenwald hinauf ins Fjell. Proviant für 4 Tage, Zelt, Schlafsäcke und natürlich meine Fotoausrüstung mussten hinauf geschafft werden. Dies erwies sich dann doch als kleiner Kraftakt. Doch das Erlebnis hat für diese Mühen mehr als entschädigt. Bereits im Birkenwald konnten wir überall die Spuren der Moschusochsen sehen. Nicht nur die Hufabdrücke verrieten, dass sie hier unterwegs waren, auch die Reste des Winterfells hingen überall an den Sträuchern und verrieten sie. Kaum hatten wir das Fjell erreicht, sahen wir auch schon in einigen 100 m Entfernung eine kleine Herde Moschusochsen im Hitzflimmern rasten. Es waren 2 Kühe mit Kälbern aus diesem Jahr. Für gute Fotos war A die Distanz zu weit und B vor allem das Licht viel zu bescheiden.


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So machten wir uns nach 2-3 dokumentarischen Fotos auf, um weiter ins Fjell zu ziehen. Keine 30 min später konnten wir bereits die nächsten Moschusochsen sichten. Dieses mal lagen sie in einem Schneefeld um sich abzukühlen. Das hätten wir zu dem Zeitpunkt auch gerne getan, denn die Sonne knallte schon gewaltig vom Himmel. Auch hier machte mir das starke Hitzeflimmern vorerst einen Strich durch die Rechnung. So ein starkes Flimmern, habe ich selbst während meiner Reisen nach Afrika nicht beobachten können. Doch so langsam zogen erste Wolken auf, die für einwenig Milderung sorgten. Ich schoss meine ersten brauchbaren Fotos, bevor wir dann weiter zogen, um unser erstes Quartier zu errichten. Wir genossen nun die Ruhe und Landschaft, erholten uns von der Etappe und stärkten uns mit Nuddeln, bevor wir uns gegen Abend wieder auf die Suche nach den Moschusochsen machten.


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Mittlerweile hatte es sich zugezogen und da es in den Fjells immer recht windig ist, merkte man nun auch, dass es nicht wirklich warm war. Neben den Fleece-Pullis mussten nun bereits die Softshell-Jacken übergezogen werden. Als wir den Ort erreichten, an dem wir auf dem Hinweg noch 3 Herden Moschusochsen gesehen hatten, herrschte nun zu unserer Enttäuschung Leere. Während ich mich Richtung Gebirgsbach orientierte, lief meine Frau noch ein paar Meter weiter den Wanderweg entlang, als sie plötzlich ziemlich zügig zurück kam. Sie zeigte nach unten und sagte: "Die Moschusochsen liegen da unten im Schneefeld." Ich war aufgeregt, holte die Kamera raus und wollte nun über den Wanderweg wieder Richtung Schneefeld. Doch wie sich rausstellte, war es nicht das Schneefeld vorn Vormittags, sondern ein höher gelegenes direkt neben dem Weg. Ja das kommt dabei rum, wenn man seiner Frau nicht richtig zuhört, denn plötzlich stand ich direkt vor den Moschusochsen. Da sie Jungtiere dabei hatten, war sie auch nicht gerade erfreut mich deutlich unterhalb der 200 m Marke, die als Sicherheitsabstand empfohlen wird, bei sich zu haben. Also Stand ich unvermittelt einer Phalanx von 3 Moschusochsen gegenüber. Mir blieb also nur eins, schnell und doch ohne Panik den Rückzug antreten und Distanz aufbauen. Dies klappte zum Glück auch ziemlich gut und kaum hatte man wieder eine gewisse Distanz aufgebaut, entspannt sich die Situation wieder und ich konnte fotografieren. Mit tollen Eindrücken und auch einwenig platt von den Mühen des Tages, schliefen wir recht zeitig ein. In der Nacht wurde es dann stürmig, zumindest für unsere Verhältnisse und auch der Regen prasselte ordentlich aufs Zelt.


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Nach dem es ja "Nachts", wobei es so was im Juni so hoch im Norden nicht mehr gibt, recht stark geregnet hatte, war es dann morgens wieder schön. So kamen wir bei Sonnenschein aus dem Zelt und sahen direkt wieder die ersten Moschusochsen. Diesmal standen sie etwas höher im Berg. Also kein Frühstück, sondern erstmal mit der Kamera bestückt auf zu den Ziegen! Durch die etwas unglückliche Erfahrung vom Vortag, waren wir doch etwas vorsichtiger. Zudem sind das ja auch unsere ersten Begegnungen mit diesen eindrucksvollen Tieren und da muss man doch erstmal einwenig mehr beobachten und Erfahrungen sammeln bezüglich ihres Verhaltens. Man kann im Vorfeld sicher viel lesen und sich informieren, doch wenn man dann auf einmal alleine in der Natur diesen mächtigen Tieren begegnet, ist man erstmal doch beeindruckt. Zumal sie mit 6 sec auf 100 m dann doch einwenig schneller sind, als ich mit Kamera! Ok, also los ging es. Während sich meine Frau über die wärmende Sonne freute schwante mir schon wieder böses. Das Licht war bereits sehr hart, doch das Hitzeflimmern hielt sich zum Glück noch in Grenzen. Als wir dem ersten Tier näher kamen, sahen wir, dass es sich um einen Bullen handelte. Aus sicherer Entfernung machte ich ein paar Fotos und wir genossen gemeinsam die Beobachtung. Leider bewegte sich der Bulle von uns weg und es war auch ziemlich schwierig eine gute Perspektive fürs Fotografieren sie bekommen. Da wir uns nach der Erfahrung am vom Vortag nicht zu sehr nähern wollten, beließen wir es bei diesem Sicherheitsabstand. Nachdem das Licht nun schon recht hart war und uns auch einwenig der Magen knurrte, ging wir zurück um erstmal zu frühstücken. Während des Frühstücks hatten wir die ganze Zeit die Möglichkeit die Herde zu beobachten und so sahen wir, dass sich zu dem Bullen und den 2 anderen Tieren, die wir morgens sahen, zwei Weibchen mit ihren Kälbern hinzu stießen. Ich muss sagen, auch wenn die Entfernung recht groß war, das hatte schon was! Einsam im Fjell mit einer Tasse Kaffee und Blick auf diese imposanten Tiere. Was will das Naturliebhaberherz mehr!?!


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Nach dem Frühstück packten wir alles zusammen und machten uns auf den Weg tiefer ins Fjell. Wir hatten auf der Karte einen kleinen See entdeckt, hier wollten wir unser zweites Nachtlager errichten. Der "Weg" dort hin war recht abenteuerlich und zum Teil auch mühsam. Denn abseits der zentralen Wanderwege, läuft man in den Fjells nur noch Querfeldein. Doch das kannten wir schon zu Genüge aus dem Forollhogna Nationalpark. Als das Ziel erreicht war, wurde wie immer erstmal das Zelt aufgebaut. Auch wenn die Wettervorhersage keinen Regen mehr ankündete, weiß man ja nie, ob nicht doch noch mal ein Schauer kommt.


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Am Nachmittag brachen wir dann wieder auf zu den Moschusochsen. Mittlerweile wussten wir um ihre aktuellen Aufenthaltsorte. Zum Glück ziehen Moschusochsen nicht ganz so schnell und weit wie Rentier, doch dazu an anderer Stelle mehr. So hatten wir dann auch direkt wieder Erfolg und die Herde, welche wir morgens oben am Berg gesehen hatten, befand sich nun weiter und in der Nähe des Wanderweges. Das Wetter war immer noch bestens, zumindest solange man keine Fotos machen möchte. Wir nährten uns der fressenden Herde und ließen sie nun zu uns kommen. Dies empfand ich als die deutlich entspanntere Variante. Sobald die Tiere einen bemerkten, wurde man kurz beäugt, bevor sie sich wieder der Nahrungsaufnahme widmeten. Leider war das Licht ziemlich hart und auch das starke Hitzeflimmern verhinderte gute Aufnahmen. Doch zu meinem Glück, zogen langsam größere Wolken auf! Ich konnte diese Chance nutzen, da zu meiner Freude eine Kuh mitspielte, die sich mit ihren Kälbern langsam wieder auf den Weg hoch zum Berg machte.


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Leider fehlt auch diesen Fotos der allerletzte Tick Schärfe auf Grund des immer noch vorhanden Hitzeflimmerns. Warm war es aber schon lange nicht mehr. Es war schon wirklich interessant, wie unterschiedlich die Lichtintensität und Färbung dort oben im Vergleich zu unseren Breiten oder dem Licht in der Nähe des Äquators war. Als die 3 einwenig hinter einer Kuppe zu verschwinden drohten, versuchte ich einwenig höher zu gelangen. Als ich mich nun näherte, wurde ich mal wieder kurz bemustert, bevor man sich dann dem Wind stellte. Diese 3 waren nun aus unserem Blickfeld verschwunden, aber kein Problem denn die Herde war groß und so widmete ich mich nun den Tieren, die sich noch immer an den Zwergbirken und arktischen Weiden weiter unten labten. Der Wind stand gut, soll heißen er kam aus unserem Rücken und durch das offene Gelände waren wir zudem gut sichtbar. So dass die Tiere uns gut wahrnehmen konnten. Auch wenn wir immer wieder kurz beobachtet wurden, so war es doch eine ziemlich entspannte Atmosphäre, was sich auch dadurch bemerkbar machte, das die Tiere immer weiter in unsere Richtung ästen. Wir waren mittlerweile ca. 2 1/2 Stunden bei den Moschusochsen. Da der Wind zugenommen hatte und die Sonne immer öfter hinter den Wolken verschwand, wurde es schon ziemlich schattig und so begaben wir uns langsam auf den Rückweg zum Zelt.


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Zurück am Zelt versuchte ich mich noch an ein paar Landschaftsaufnahmen, während Steffi sich schon in den warmen Schlafsack mümmelte. Denn so bald die Sonnen tiefer Stand, oder die Wolkendecke dichter wurde, sanken die Temperaturen deutlich. Dazu kam dann noch der stetige vorhandene Wind. Wer also einen solchen Trip plant, dem kann ich nur raten gute und warme Kleidung einzupacken. Ein warmer Schlafsack ist ebenso Pflicht, denn Nachts sanken die Temperaturen tief in den einstelligen Bereich. Hier dann noch meine Versuche einwenig die Landschaft in Szene zu setzen.


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Nun ist bereits der dritte Tag angebrochen und wie sollte es auch anders sein, zum Frühstück gab es wieder Moschusochse! Diesmal sahen wir einen einsamen Bullen auf der anderen Seite des kleinen Sees. Nachdem Frühstück und einem sehr kurzen Bad in dem 2 mm kaltem Wasser, bauten wir unser Zelt wieder ab. Es sollte wieder einwenig zurück gehen. Nun wählten wir aber den Weg auf dem Bergrücken und nicht am Bach entlang. Dieser Weg war nicht nur deutlich leichter, er war vor allem auch ungefährlicher. Außerdem hatte man nach erreichen des Scheitelpunkts ein hervorragenden Ausblick auf das "Tal der Moschusochsen"! Na und wie sollte es auch anders sein, als dass wir erneut die Herde unten am Gebirgsbach ausmachen konnten. Da die Uhr aber High Noon anzeigte und es wieder recht warm war, war ans Fotografieren nicht zu denken. Ein Scherenschnitt gelang mir aber trotzdem, wie ich finde.


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Wie gehabt richteten wir nun erstmal unseren Schlafplatz her und relaxten einwenig. War ja schließlich Urlaub! Bevor es dann zum späten Nachmittag wieder losging, stärkten wir uns mit leckeren Ravioli. Es zeigte sich nun schon, dass wir, ok Steffi, optimal kalkuliert hatten und weder zu viel noch zu wenig Proviant mit hatten. Besonders zur Freude von Steffi, deren Rucksack mittlerweile erheblich leichter war. Die kleine Herde war tagsüber einwenig weiter Richtung Kongsvoll gezogen und wir fanden sie unten am, bzw. im Gebirgsbach. So verbrachten wir erneut einen wundervollen Abend mit den Moschusochsen.


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In der Nacht hatte es angefangen zu regnen und auch morgens tröpfelte es noch leicht. Wie auch schon die Morgende zuvor begrüßten uns direkt wieder die Moschusochsen. Diesmal waren sie jedoch schon sehr nah. Es war der Bulle mit einem jungen Bullen, welche sich an den arktischen Weiden gütlich taten. Nachdem sie gesättigt waren, nahmen sie, wie sollte es auch anders sein, auf dem Wanderweg ihren Ruheplatz ein. Somit war klar, wir mussten einen Umweg für den Rückweg einplanen. Wobei ich damit irgendwie eh schon gerechnet hatte. Mittlerweile hatte es auch aufgehört zu regnen und es wurde bereits freundlicher. Nun hieß es so langsam Abschied nehmen, denn unser Proviant war aufgebraucht und die geplante Zeit im Fjell rum. So machten wir uns gemächlich auf Richtung Kongsvoll, wo wir unser Auto stehen hatten.


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Wir begegneten wieder der Herde mit dem Kälbern von diesem Jahr, welche wir am ersten Tag zur Begrüßung sichten durften. Ich machte aus sicherer Entfernung ein, zwei Fotos, bevor es auf die letzten 3-4 km ging.


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Desto näher wir Kongsvoll kamen, desto mehr passte sich das Wetter wieder dem des Hinweges an. Kurz bevor es dann wieder durch den Birkenwald runter ging, sahen wir ausnahmsweise nochmals eine Herde Moschusochsen, die sich jedoch in gut 1 km Entfernung befand. Hätte man anstelle des Wanderwegs Richtung Kongsvoll, den Weg nach Kongsvoll Stasjon genommen, dann wäre man direkt an ihnen vorbei gekommen. Dies nur für die Ortskundigen. Im Birkenwald waren wir dann wieder einwenig auf der Hut, doch erneut begegnet wir hier keinem Moschusochsen. Am Auto angekommen, öllerte ich aus allen Poren und freute mich jetzt doch sehr auf eine Dusche mit warmen Wasser.

Somit endete unser Abenteuer mit den Moschusochsen des Dovrefjells!



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